Akustikoptimierung in einem offenen Treppenhaus
Wenn der Flur zum Problem wird.
Man sieht es nicht, aber man hört es sofort.
Der Kunde hat mich angerufen, weil genau das zum Problem geworden ist.
Nicht ein einzelnes Geräusch oder ein klar benennbarer Mangel, sondern ein Gefühl.
Dass es im Hausflur nie richtig ruhig wird.
Dass Gespräche aus den Wohnungen unten ankommen.
Dass selbst normale Alltagsgeräusche plötzlich viel lauter wirken, als sie eigentlich sind.
Die Ausgangsituation
Bei dem Objekt handelt es sich um einen Hausflur mit offenem Treppenhaus in einem gemischt genutzten Gebäude.
Im Erdgeschoss befindet sich eine Gewerbeeinheit. Darüber liegen zwei vermietete Wohnungen.
Das offen gestaltete Treppenhaus verbindet alles miteinander und genau dort lag das Problem.
Der Flur wurde als sehr hellhörig wahrgenommen. Geräusche haben sich nicht nur im Raum ausgebreitet, sondern sind regelrecht „gewandert“.
Gespräche aus dem ersten Obergeschoss waren unten deutlich zu verstehen.
Dazu kamen zusätzliche Geräusche aus dem Erdgeschoss.
Der Gewerbemieter transportiert regelmäßig Werkzeug mit Rollbrettern durch den Flur. Dabei entstehen rollende und stoßende Geräusche, die sich im gesamten Treppenhaus verteilen.
Der Vermieter wollte die Situation verbessern. Nicht perfekt lösen. Aber spürbar entschärfen.
Ziel der Maßnahmen
Wichtig war von Anfang an:
Es geht nicht um absolute Schalldämmung.
Das ist in einem bestehenden Gebäude so nicht realistisch.
Das Ziel war klar formuliert:
Eine spürbare Verbesserung der Situation im Hausflur.
Weniger Nachhall. Weniger „Aufschaukeln“ der Geräusche. Mehr Ruhe im Gesamteindruck.
Und ganz bewusst keine gestalterisch dominante Lösung.
Die Maßnahme sollte funktionieren, unauffällig sein und zum Alltag im Flur passen.
Analyse vor Ort
Ich habe mir die Situation vor Ort genau angeschaut und zunächst eine Akustikmessung durchgeführt.
Dabei wird nicht nur gehört, sondern auch sichtbar gemacht, wie sich der Schall im Raum verhält.
In diesem Fall an mehreren Punkten. Im Erdgeschoss, auf dem Treppenabsatz und im oberen Bereich.
Das Ergebnis war eindeutig. Die Nachhallzeit war deutlich erhöht.
Das bedeutet, dass Schall nicht „verschwindet“, sondern im Raum stehen bleibt und immer wieder zurückgeworfen wird.
Genau das führt zu diesem Gefühl, das viele beschreiben wie eine Bahnhofshalle.
Zusätzlich war klar, dass nicht alle Geräusche nur über den Nachhall entstehen.
Ein Teil wird auch über die Bausubstanz übertragen. Man spricht hier von Trittschall oder Bauschall.
Das war auch wichtig für die Einordnung:
Ich kann viel verbessern, aber nicht alles vollständig eliminieren.
Planung der Lösung
Auf Grundlage dieser Analyse habe ich eine konkrete Anfrage an meinen Lieferanten gestellt.
Mit einer klaren Zielsetzung:
Eine funktionale, kostenbewusste Lösung, die vor allem eines kann. Schall absorbieren.
Gemeinsam wurde ein Konzept erarbeitet.
Mit Fokus auf Deckenpaneelen, ergänzt durch mögliche Wandlösungen.
Die Empfehlung des Lieferanten ging in beide Richtungen.
Der Kunde hat sich bewusst dafür entschieden, im ersten Schritt nur die Decke umzusetzen.
Eine gute Entscheidung.
Denn gerade in solchen Fluren wirkt die Decke wie eine große, freie Fläche, über die sich der Schall verteilt.
Umsetzung vor Ort
Als die Planung stand, ging es in die Umsetzung.
Ich habe die Deckenpaneele bestellt und die Montage vorbereitet.
In diesem Projekt wurden insgesamt 14 Akustikpaneele an der Decke angebracht.
Sie wurden verklebt, weil sich das in diesem Fall als die sinnvollste und sauberste Lösung angeboten hat.
Gerade in einem Flur, der täglich genutzt wird, ist es wichtig, dass die Elemente sicher sitzen und unauffällig bleiben.
Während der Montage hat sich die Wahrnehmung schon Stück für Stück verändert.
Am Anfang hört man noch keinen großen Unterschied.
Aber je mehr Fläche an der Decke „arbeitet“, desto ruhiger wird der Raum.
Der Moment danach
Der eigentliche Unterschied zeigt sich direkt nach der Fertigstellung.
Man betritt den Flur und merkt sofort: Es klingt anders.
Die Geräusche sind noch da, aber sie bleiben nicht mehr im Raum stehen.
Sie werden nicht mehr so oft zurückgeworfen, sondern sie werden schneller von den Absorbern an der Decke verschluckt.
Die Kunden haben es bei der Übergabe sofort angesprochen.
Dass es sich ganz anders anhört.
Es ist jetzt viel ruhiger, klarer und weniger anstrengend.
Und genau das war das Ziel.
Messbar gemacht
Neben dem Gefühl gibt es in diesem Projekt auch messbare Ergebnisse.
Vor der Optimierung lag die Nachhallzeit bei etwa 1,47 Sekunden.
Das ist für einen solchen Flur deutlich zu hoch.
Nach der Umsetzung liegt sie bei rund 0,41 Sekunden.
Das ist ein Wert, bei dem keine weitere Optimierung mehr notwendig ist.
Die Messungen zeigen sehr klar, was sich auch im Alltag bestätigt hat: Der Raum geht anders mit Schall um.
Und genau darum geht es bei Raumakustik.
Was sich dadurch wirklich verändert
Wichtig ist, das richtig einzuordnen.
Die Maßnahme reduziert den Nachhall im Flur.
Das bedeutet, dass Geräusche nicht mehr so stark verstärkt und zurückgeworfen werden.
Was sie nicht macht:
Sie kann keinen Trittschall verhindern.
Und auch keinen Bauschall vollständig stoppen.
Das heißt, ein Teil der Geräuschübertragung bleibt bestehen.
Aus diesem Grund wurde in diesem Projekt zusätzlich an den Wohnungstüren gearbeitet, um genau diesen Anteil zu verbessern.
Erst das Zusammenspiel aus beidem führt zu einem stimmigen Ergebnis.
Mein Fazit
Akustik ist etwas, das man oft erst bemerkt, wenn es nicht stimmt, dabei hat sie einen großen Einfluss darauf, wie wir Räume wahrnehmen.
Ob wir uns wohlfühlen und ob wir gerne bleiben.
In diesem Projekt ging es nicht darum, alles perfekt zu machen.
Sondern darum, eine Situation spürbar zu verbessern, mit einer Lösung, die funktioniert, die sich in den Alltag einfügt und genau dort ansetzt, wo sie wirken kann.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Raum nicht richtig zur Ruhe kommt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Oft liegt es nicht an dem, was man sieht, sondern an dem, was man hört.
Wenn Sie merken, dass ein Raum oder Flur akustisch unruhig ist, begleite ich Sie gerne dabei, eine passende Lösung zu finden.






